Ärztezentrum
Einsiedeln
055 418 07 00
Arztpraxis
Rothenthurm
041 838 12 21
Ärztlicher Notfalldienst – 0840 41 41 41
Elektronische Medikamentenbestellung aktuell ausser Betrieb
Bitte melden Sie sich per Email ($emd+pfh%ank-g@e-meg+dis(con6plp1usa6.cg*hr) oder Telefon (055 418 07 00)
Coronaimpfungen
Die Coronaimpfungen bei MedicoPlus werden bei abnehmender Nachfrage ab dem 5.4.22 eingestellt
Kunst ist ein bisschen wie Frieden
Vernissage «MedicoPlus art» im Ärztezentrum an der Spitalstrasse Einsiedeln
Schlüsselloch-Chirurgie
Dr. med. Stephan Engert, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Viszeralchirurgie und Proktologie
Die Polarisierung der Gesellschaft ist kein Corona-Phänomen
Interview mit Simon Stäuble, Geschäftsführer des Ärztezentrums Medico Plus Health Care AG in Einsiedeln
Ganzheitlicher Behandlungsansatz
Sabrina Holdener, dipl. Homöopathin shp
Spezialgebiet Handchirurgie
Dr. med. Claudio Letta, Facharzt Chirurgie FMH
Kunst im Röntgenblick
In Einsiedeln im Ärztezentrum MedicoPlus wurden 175 Pakete von Künstlern durchleuchtet.
«Kunst kann Fenster öffnen»
MedicoPlus art-Vernissage vom 14. August 2021
«Kunst kann Fenster öffnen und Ausblicke ermöglichen»
Small Talk mit Zeno Schneider
Schmerzspezialist lindert u.a. Rückenbeschwerden
Dr. med. Jan Anders Ludwigs, Facharzt FMH Anästhesiologie


Die Polarisierung der Gesellschaft ist kein Corona-Phänomen

Interview mit Simon Stäuble, Geschäftsführer des Ärztezentrums Medico Plus Health Care AG in Einsiedeln


Simon Stäuble blickt zurück auf zwei Jahre Corona- Pandemie: Ich hätte nie gedacht, dass ein Virus in der Lage wäre, die Gesellschaft so stark zu verunsichern.

Wie sieht die Bilanz von Medico Plus aus im Jahr 2021?

Das Ärztezentrum war in der Corona- Pandemie stark exponiert, musste viele Kranke medizinisch betreuen und einen grossen Aufwand betreiben: Stetig sind die Richtlinien seitens des BAG und des Kantons geändert worden. Dies führte zu einem grossen Aufwand im Bereich der Organisation und der Schulung des Personals. Wir sind stolz, dass wir die Krise ohne grosse Probleme meistern konnten.

Wie hat das Personal auf die Corona- Krise reagiert?

Personell sind wir an ein Limit gekommen: Zu den chronisch Kranken, die wir im Alltag betreuen, ist noch ein Drittel von zusätzlichen Corona-Patienten und Telefonberatungen hinzugekommen. Der Rucksack ist darob schwer geworden, Kräfte sind absorbiert worden: Es hat viele Ressourcen gebraucht, um den Mehraufwand auszugleichen. Zudem besteht ein Personalmangel im Bereich medizinische Praxisassistenz (MPA). Man kann eine solche Mehrbelastung während ein paar Monaten durchaus gut aushalten, über zwei Jahre wird es schwierig. Das Personal wurde stark gefordert, zeigte aber immer einen grossen Einsatzwillen zu Gunsten der Patientinnen und Patienten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf den Geschäftsverlauf von Medico Plus ausgewirkt?

Wir haben zum Glück keine finanziellen Probleme. Einen Profit wegen Corona gibt es allerdings nicht. Die Tarife im Kanton Schwyz sind eher tief gelagert, was die Corona-Fälle betrifft. Auf Druck der Ärzteschaft ist denn auch die Ungleich-Behandlung bezüglich der Kosten in den Fokus gerückt. Während im Jahr 2020 in der Zeit des Lockdowns fast nur noch Notfälle behandelt werden konnten, ist im letzten Jahr wieder ein normaler Betrieb m glich geworden. Wir haben unser Budgetziel erreicht und können wie jedes Jahr investieren.

Welche Dienste im Ärztezentrum Einsiedeln werden vermehrt in Anspruch genommen?

Die Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte sind zuvorderst gefordert, weil sich Corona-Patienten bei ihnen vorstellen. Das ist auch sinnvoll, da sie die Patienten am besten kennen. Auch die Onkologie und Rheumatologie ist aufgrund immungeschwächter Personen gefordert. Dass Praxisassistentinnen und Hausärzte wegen Corona derzeit viel zu tun haben, ist allerorten der Fall, weil sie die telefonischen Beratungen übernehmen und für eine Triage zuständig sind.

Kommen mehr Kinder und Jugendliche aus psychischen Gründen wegen Corona zur Behandlung ins Zentrum?

Es sind in allen Altersklassen psychische Notlagen (vor allem Ängste) anzutreffen, die einen Gang in das Ärztezentrum notwendig machen. Corona hat ja ganz allgemein zu einer grossen psychischen Verunsicherung in der Bevölkerung geführt: Die Zerwürfnisse gehen oftmals mitten durch Familien und zerrütten diese. Auch diese Fälle stellen sich bei den Hausärzten und überdies bei unserer Psychologin vor.

Beobachten Sie eine Zunahme von Rückenschmerzen aufgrund Arbeiten zu Hause im Homeoffice?

Rückenschmerzen sind ein Dauerthema: Wir hatten bereits vor der Corona-Pandemie viele Patienten mit Problemen im Rumpfbereich, weil sie strukturelle Probleme haben, kaum Sport betreiben, sich zu wenig bewegen und darob eine schwache Rückenmuskulatur aufweisen. Homeoffice könnte auch einen Vorteil darstellen: Die Leute kommen eher unkompliziert zum Sport und zur Bewegung zwischendurch, wenn sie im Homeoffice tätig sind – als wenn sie im Büro arbeiten.

Hat das Ärztezentrum auch mit Long-Covid-Fällen zu tun?

In der Tat ist das der Fall. Allerdings ist die Definition von Long Covid etwas schwammig: Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Atemprobleme, die bei Long Covid vielfach auftreten, sind nicht wirklich messbar. Deswegen ist ein Registrieren der Long-Covid-Fälle keine einfache Sache. Erschwerend kommt hinzu, dass Patienten nach schweren Corona- Krankheitsverläufen oftmals eine posttraumatische Störung haben, die sich womöglich wie Long Covid manifestiert.

Sind Sie überrascht worden davon, dass ein an sich medizinisches Thema, das Coronavirus und seine Folgen, dermassen grosse Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben könnte?

Ja, das bin ich wirklich. Ich hätte nie gedacht, dass ein Virus in der Lage wäre, die Gesellschaft so stark zu verunsichern. Wir haben schon früher SARS-Viren beobachtet: Doch die Auswirkungen waren nicht vergleichbar, weil sie endemisch geblieben und schliesslich kontrollierbar geworden sind. Während der Corona-Pandemie wurde uns gedroht, unsere Praxis in Brand zu setzen, wenn wir nicht mit dem Genozid der Impfung aufhören würden. Eine ähnliche gesellschaftliche Verunsicherung habe ich in den 90er-Jahren mit HIV/AIDS erlebt, als ich als Arzt in Basel tätig war. Der Aufruhr war gross, und es gab gar Kräfte, die AIDS als Strafe Gottes für sündige Menschen darstellen wollten.

Wie interpretieren Sie die durch die Pandemie entstandene Zersplitterung unserer Gesellschaft?

Die Polarisierung der Gesellschaft ist kein Corona-Phänomen: Die Pandemie hat die bestehende Polarisierung nur demaskiert. Noch vor zehn Jahren schien undenkbar, dass die Mitte in der weltweiten Politik dermassen an Einfluss verliert, ein konstruktiver Dialog schwierig wird und ein Schwarz-Weiss-Denken derart überhandnehmen könnte. Unterdessen haben wir einen Drittel, der grundsätzlich alle politischen Vorlagen ablehnt. Es handelt sich zumeist um Leute, die der Globalisierung kritisch gegenüberstehen und die staatliche Steuerung ablehnen. Allerdings ist die Globalisierung kein Wunschprogramm mehr, sondern eine Bedingung dafür, dass Sicherheit, Fortschritt, Wachstum und Wohlstand weiterhin möglich bleiben. Insbesondere Wachstum ist ein schwieriges Thema.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit dem Ameos Spital Einsiedeln?

Sie verläuft gut, kann aber noch verbessert werden. Medico Plus ist ein wichtiger Zuweiser für das Spital, und das Spital liegt uns am Herzen. Es ist sehr wichtig für die ganze Region. Die Übernahme des Spitals durch Ameos ist ein Glücksfall: Es wäre sonst schwierig geworden mit der Existenz des Spitals. Früher hat sich das Spital auf die Grundversorgung und Orthopädie konzentriert. Jetzt wurde das Angebot durch eine Spezialisierung (zum Beispiel Lungen und Herz) erweitert. Durch die Umstellung ist es zu Abgängen gekommen: Das liegt in der Natur der Sache.

Wie geht es Ihnen selbst als Leiter des Ärztezentrums in diesen bewegten Zeiten?

Ich bin nicht traurig darüber, dass sich die Corona-Pandemie ihrem Ende zuneigt. Es war für mich eine sehr anstrengende Zeit. Aber das trifft nicht nur für mich selbst zu. Für die Geschäftsleitung und das gesamte Personal hat diese Pandemie eine enorme Herausforderung bedeutet. Wie ich selbst haben einige durchaus Ermüdungssymptome gezeigt. Wir werden aber gestärkt aus der Pandemie herauskommen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Bezirk, Kanton und Bund erlebt in den beiden letzten Jahren?

Die Politikerinnen und Politiker haben die Pandemie im Grossen und Ganzen gut gemeistert. Wir haben die besten Impfstoffe erhalten, einen einzigen Lockdown erlebt, der nicht so arg ausgefallen ist wie im Ausland, und vergleichsweise tiefe Hospitalisations- und Todesfallzahlen aufgrund Corona verzeichnet. Allerdings wäre es gut gewesen, wenn die Hausarztpraxen von Anfang an besser in das Versorgungskozept einbezogen worden wären.

Was sollte man anders machen, falls uns mal wieder ein Virus in diesem Ausmass um die Ohren fliegen sollte?

Eine Trennung von Medizin und Politik ist wichtig. Es ist gefährlich, wenn sich Mediziner und Wissenschaftler zu politischen Aussagen hinreissen lassen: Sie werden dadurch unglaubwürdig. So kam die Taskforce enorm unter Druck. Einerseits ist die Medizin keine exakte Wissenschaft, andererseits besteht die Wissenschaft aus hundert Stimmen: Welche dieser Stimmen soll denn nun den politischen Kurs bestimmen? Es wurden aus politischen Gründen gute wissenschaftliche Basisdaten in Frage gestellt, was zu einer grossen Verunsicherung geführt hat. Auch wenn man zu Beginn der Pandemie voreilig verkündet, dass die Masken nichts nützen und dann zurückrudern muss, hat man bereits viel Vertrauen verloren.

Wohin bewegt sich die Welt?

Ich hoffe, dass wir aktuell die Spitze der Polarisierung erleben und dass sich die Welt wieder auf Solidarität, Toleranz und Dialog konzentrieren wird. Wir müssen den Verschwörungstheorien und der Intoleranz (zum Beispiel den Fake News, den sozialen Medien) etwas entgegenstellen. Unsere humanitäre Tradition hilft uns dabei. Kürzlich kam eine Patientin mit einer Angstattacke zu mir. Weil sie gegen das Coronavirus geimpft war, wurde sie von ihrem eigenen Partner in den Senkel gestellt: Du wirst in einem Jahr sterben wegen dieser Impfung. Es mehrfach eindrücklich zu erleben, wie eigentlich befreundete Menschen bereit waren, sich wegen ideologischen Ansichten Schaden zuzufügen. Diese Beispiele zeigen auf: Nur wenn unsere Gesellschaft wieder lernt, Solidarität zu leben und zu Vertrauen und Gemeinsinn zurückzukehren, werden wir die kommenden Prüfungen bestehen können.

Text und Foto: Magnus Leibundgut

Wir verwenden Cookies und Analyse Tools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internet-Seite zu verbessern. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.