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Kunst kann beflügeln oder belasten
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Kunst kann beflügeln oder belasten

Vernissage der MedicoPlus art


21. 1. 2020 – Zum vierten Mal präsentiert das MedicoPlus Ärztezentrum in Einsiedeln in seinen Räumlichkeiten Kunst. Die Ausstellung der besonderen Art in den Gängen und Behandlungszimmern wurde am 18. Januar 2020 im Beisein der fünf Künstlerinnen eröffnet. Die Ausstellung dauert bis Ende 2020.

Das MedicoPlus an der Spitalstrasse ist eine besondere Galerie, denn die Menschen, die dort ein und ausgehen, machen dies für gewöhnlich nicht wegen der Kunst. Sie sind krank oder verletzt, im besten Fall genesend – oder meinen gar nur, krank zu sein. Sie suchen Behandlung bei den Ärztinnen und Ärzten und den zahlreichen medizinischen und therapeutischen Angestellten, die ihren Arbeitsalltag mit all seinen Höhen und Tiefen im Ärztezentrum verbringen.

Wie der Biss in eine Cremeschnitte

Und dann hängt dort noch Kunst. Die Wände wären sonst kahl und steril, betont der ärztliche Leiter Simon Stäuble in seiner kurzen Eröffnungsrede. Nachdem die alten Bilder abgehängt worden sind, dauert es zu Jahresbeginn jeweils etwa zwei Wochen, bis die Bilder der neuen Ausstellung hängen. «Die Zeit der leeren Wände ist für mich wie eine Fastenzeit», veranschaulicht Simon Stäuble diesen Zustand, und weiter: «Wenn ich die neuen Werke zum ersten Mal sehe, ist es wie der Biss in die erste Cremeschnitte nach langem Verzicht.»

Zeugnisse des Könnens und der Kreativität

Von Kunst umgeben zu sein, tut erwiesenermassen allen gut, egal ob gesund oder krank. Aber wie Kunst auf einen Menschen wirkt, ist dennoch sehr individuell. Ausstellungskurator Zeno Schneider benutzte in seiner Einführung das symbolische Bild einer Landschaft mit Wanderweg: Es kann wehmütige Erinnerungen wecken, den einen an das tägliche Laufpensum erinnern oder der anderen als Motivation für ein neues Lebensziel dienen. Die Kunstwerke im Ärztezentrum müssen diesen besonderen Ansprüchen genügen. Sie berühren und beeinflussen ihre Betrachterinnen und Betrachter in sehr unterschiedlichem Mass, sie können sowohl als beflügelnd wie auch als belastend empfunden werden. Zugleich darf die Kunst im MedicoPlus nicht einfach gefälliger Dekor sein, sie soll auffallen, Kraft vermitteln und Spannung erzeugen. Nicht zuetzt sind die Werke Zeugnisse des Könnens und der Kreativität seiner Schöpferinnen. All diesen besonderen Bedingungen musste Zeno Schneider bei der Auswahl der Bilder und Objekte gerecht werden.

Zwiespältige Reaktionen vermeiden

Auch die Künstlerinnen mussten sich mit dem besonderen Ausstellungsort auseinandersetzen. Elia Häberli (Glasobjekte im Treppenhaus und Bilder im Untergeschoss) hätte gerne ein Aktbild ausgestellt, das ihr viel bedeutet. Sie entschied sich dann aber dagegen: «Die nackte Figur hätte hier zwiespältige Reaktionen hervorrufen können, das wollte ich vermeiden.» Ganz anders nimmt Margrith Zuberbühler in ihrer Werkauswahl Bezug zum Thema Einsiedeln: Im dritten Stock hängt neben figürlichen und abstrakten Gemälden und Collagen auch eine «RabenSerie». Esther Ramseier (Erdgeschoss) findet die Motive für ihre meist kleinformatigen Drucke im Alltag, verfremdet sie und setzt sie grafisch um.

Emmy Nussbaumer ist in verschiedenen Malstilen zu Hause. Der Gang durch den zweiten Stock wird so zum Streifzug durch konkrete und formal abstrakte Gemälde, allen voran der prominente Lebensbaum mit seinen fünfzig ineinander verwobenen Gesichtern. Vielfältig in Stil und Technik sind auch die Werke von Jana Jaun im ersten Stock. Ihre Arbeiten sind mal witzig, mal grotesk oder auch ganz idyllisch, sodass man für jede Stimmungslage ein Bild findet, in das man sich getrost vertiefen kann.

Die Vernissage wurde vom Volksmusik-Duo «Molldur» (Corinne und Matthias RücksteinDanieli) musikalisch umrahmt.

Einzelpersonen können die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Ärztezentrums besuchen. Gruppenführungen nur nach telefonischer Termin-Vereinbarung: MedicoPlus Ärztezentrum Einsiedeln, Telefon 055 418 07 00

Gina Graber, erschienen im Einsiedler Anzeiger, 21. 1. 2020



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